Walter Helmut Fritz: Augenblicke

Aus MarieHerberger
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Kurzgesichte könnt ihr hier nachlesen!

Aufgabenstellungen:

1. Welche typischen Merkmale einer Kurzgeschichte kommen in diesem Text vor?

2. Erläutere den Konflikt zwischen Mutter und Tochter!

3. Beurteile das Verhalten der Tochter und das der Mutter!

Zu 1:

Die Kurzgeschichte entfaltet sich aus dem Textproblem heraus. Sie hat einen kurzen Umfang und wenige Handlungsträger. Die Kurzgeschichte hat einen expositionslosen Beginn und ein offenes Ende. Der Leser soll über beschriebenes selbst urteilen. Die Kurgeschichte beschreibt ein Stück herausgerissenes Leben (eine Episode des Lebens), welches aber erzählenswert ist. Wie in den meisten Kurzgeschichten handelt auch diese von einer psychischen Problemsituation eines Durchschnittsmenschen. Es handelt sich um eine lineare Erzählung. Im Vergleich zu anderen Texten ist diese Wortkarg. Der Leser soll in den Sog unmittelbaren Erlebens hineingezogen werden.

Zu 2:

Die Tochter möchte ihr eigenes Leben beginne. Sie möchte von ihrer Mutterunabhängig sein. Sie wünscht sich eine eigene Wohnung (Z41 "Sie würde sich, gleich nach Weihnachten, eine Wohnung nehmen"). Elsa, die Tochter arbeitet den ganzen Tag. Wenn sie dann abends nach Hause kommt, möchte sie auch einmal Zeit für sich haben. Da ihre Mutter aber oft Langweile hat, möchte sie auch etwas Zeit mit ihrer Tochter verbringen (Z45f "Oft empfand sie Langeweile. Sie wollte mit ihrer Tochter sprechen"). Der Mutter ist bewusst, dass Elsa bald ausziehen wird. Sie fürchtet sich davor (Z48 "Sie liebte Elsa"). Um Elsa dazu zu bewegen, dass sie zu Hause bleibt verwöhnt sie ihre Tochter (Z49 "Sie verwöhnte sie"). Die Mutter meint, dass sie immer ein Ansprechpartner für Elsa sein muss. Nur leider fällt ihr nicht auf, dass dies genau das ist, was Elsa stört (Z22 "Die Mutter nahm die Verzweiflung der Tochter nicht einmal als Ungeduld war"). Die Mutter behandelt Elsa wie ein kleines Kind (Z41f "Sie war zwanzig Jahre alt und verdiente"). Das Problem ist aber auch, dass Elsa nicht ganz erkennt, wie es ihrer Mutter geht. Elsa weiß, dass ihre Mutter seit dem Tod ihrer Vaters alleine lebt und oft Langeweile hat (Z45 "Ihre Mutter lebte seit dem Tod ihrer Mannes allein. Oft empfand sie Langeweile"). Sie kann aber nicht beurteilen, was für Probleme das für ihre Mutter darstellt. Elsa und ihre Mutter sitzen beide zwischen zwei Stühlen. Elsa möchte einerseits wegziehen, weiß aber nicht wie es dann mit ihrer Mutter weitergehen soll. Die Mutter liebt ihre Tochter. Deshalb würde sie sich freuen, wenn Elsa zu Hause wohnen bleibt. Da sie ihre Tochter liebt, wünscht sie sich auch, dass sie glücklich ist.

Zu 3:

Die Mutter liebt ihre Tochter und möchte ihr deshalb zeigen, dass sie immer für sie da ist (Z8 "voller Behutsamkeit"). Leider gelingt ihr das nicht sonderlich gut, sodass bei Elsa der Eindruck entsteht, dass ihre Mutter sich ihr aufdrängen möchte (Z9 "durch ihre Aufdringlichkeit"). Da Elsa nicht aus eigenem Willen zu ihrer Tochter kommte, versucht die Mutter Elsa im Flur oder Bad abzufangen (Z48 "(...) auf dem Flur zu erreichen oder wenn sie im Bad (...)"). Die Mutter bemerkt aber nicht, dass dadurch bei Elsa das Bedürfnis entsteht, dass sie fliehen müsse (Z51 "Elsa floh"). Des Weiteren fühlt sich Elsa von ihrer Mutter wie ein kleines Kind behandelt (Z41f "Sie war zwanzig Jahre alt und verdiente"). Außerdem vermittelt die Mutter Elsa den Eindruck, dass sie Mitleid mit ihr haben müsse (Z55 "Sie dachte daran, dass ihre Mutter alt und oft krank war"). Dadurch hat Elsa ihrer Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen. Aber auch Elsa verhält sich ihrer Mutter gegenüber nicht richtig. Sie ist ihrer Mutter gegenüber abweisend (Z9 "Sie hatte - behext, entsetzt, gepeinigt - darauf gewartet, weil sie sich davor fürchtete"). Es fällt auch auf, dass Elsa zu ihrer Mutter nicht besonders freundlich ist. Was wäre dabei gewesen sich beim Verlassen des Hauses zu verabschieden (Z24 "Wenig später allerdings verließ Elsa das Haus, ohne ihrer Mutter adieu zu sagen")? Sie muss sehr genervt und verzweifelt gewesen sein. Früher hat sich die Mutter immer um Elsa gekümmtert, so auch noch heute (Z48 "Sie verwöhnte sie"). Es scheint der Mutter so, als würde Elsa keine Dankbarkeit zeigen. Es ist für Elsa und ihre Mutter ein großes Problem. Sie müssen sich beide einen Schritt näher kommen und auch einmal von ihrem Standpunkt weichen. Beiden fällt es schwer, besonders Elsa respektvoll miteinander umzugehen (Z38f Sie ging Stunden umher. Sie würde erst spät zurückkehren.Ihre Mutter würde zu Bett gegangen sein. Sie würde ihr nicht mehr gute Nacht zu sagen zu brauchen"). Sie könnten über alte zeiten reden. Es darf aber keiner dem anderen zu nahe treten. Bestimmt vermisst Elsa ihren Vater genauso sehr wie ihre Mutter. Sie verarbeitet den Schmerz nur anders. Die Mutter hat oft Langeweile. Sicherlich denkt sie in diesen Situationen viel an ihren Mann und wird depressiv (Z56 "Sie dachte daran, dass ihre Mutter alt und oft krank war"). Richtig bewusst wird Elsa der Entschluss auszuziehen erst, als sie in ihrem Zimmer sitzt und nachdenkt (Z54 "Als sie kurz vor Mitternacht zurückkehrte, war es still in der Wohnung. Sie ging in ihr Zimmer und es blieb still. Sie kauerte sich in ihren Sessel und sie hätte unartikuliert schreien mögen, in die Nacht mit ihrer entsetzlichen Gelassenheit. Ihr wächst alles über den Kopf und ihr wäre es am liebsten, wenn ihr ein Dritter die schwere Entscheidung abnehmen würde.

Meine Werkzeuge